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Kreis Lyck > Kalinowen, Dreimühlen, Kalinowo
Unterwegs in Masuren, im ehemaligen Preussenland. Gerade waren wir am Skomanter See vorbeigefahren. Dort sollen sich noch Funde aus der Zeit unserer altpreussischen Vorfahren befinden, Wälle und Gräber, denn hier soll eine der letzten Schlachten zwischen den Sudauern und den Rittern des Deutschen Ordens stattgefunden haben. Vor über 700 Jahren. Auch einen Silberschatz aus dem 12./13. Jahrhundert hat man hier gefunden. Egal wohin man kommt, überall streift der Hauch einer langen Geschichte durch dieses vergessene Land. Und man kann sich ihm nirgendwo entziehen.

Mitten im Ort, den wir gerade durchfuhren, machte die Straße einen großen Knick. Wo waren wir jetzt eigentlich? Ich hatte das Ortsschild übersehen, nicht darauf geachtet. Aber diese burgähnliche Anlage linker Hand fiel mir auf.

So verliessen wir die Straße und stellten das Auto vor eine Gaststätte. Diese war geöffnet und so wollten wir die Gelegenheit nutzen, um einen Kaffee zur Kreislaufstärkung zu trinken. Da man uns ansah, das wir Fremde waren, bekamen wir auch - statt eines unfiltrierten polnischen Kaffees, die gefilterte westeuropäische Variante. Wir genossen den Kaffee auf einer Aussenterasse mit direktem Blick auf diese merkwürdige "Burg". Doch von dieser Seite sah das Gebäude schon etwas anders aus. Eine Burg kann es nicht sein, dachte ich mir. Auch das "drumherum" wirkte eher wie eine Kirche. Aber so eine Kirche, habe ich noch nie gesehen.

Ich holte die Landkarte hervor, um nachzusehen, wo wir uns eigentlich befinden. Kalinowo stand dort zu lesen. Die Karte nannte mir auch noch die beiden anderen Namen dieses Ortes aus alter deutscher Zeit: Dreimühlen und Kalinowen. Aber kein Burgensymbol. Auch die zweite Karte zeigte kein Burgensymbol, nur den Namen und ein Kirchensymbol. Also mußte es eine Kirche sein, wenn auch die Merkwürdigste - die ich je gesehen habe.
Kalinowen Kirche

Kirche zu Kalinowen

Wir bezahlten den Kaffee und gingen hinüber zur Kirche. Sie machte auf uns einen uralten Eindruck, wirkte sie doch wie eine mittelalterliche Burg. Doch als wir auf der Aussenmauer die Jahreszahl 1910 entdeckten, verwirrte uns dies noch mehr. Wir gingen weiter um die Kirche herum. Leider war sie verschlossen und auch nirgendwo war eine Tafel zu entdecken, die weitere Informationen über das Gebäude preisgab. "Schade", dachte ich und wollte eigentlich schon wieder zum Auto gehen, als mein Blick weit nach oben auf die Kirchenfenster wanderte. Dort stand etwas geschrieben. "Frau Elisa...." und "geborene" war dort am linken Rand sowie "Weihnachten" am rechten Rand des Fensters zu lesen. Man hatte diese Stücke dort eingelassen, wahrscheinlich um ein Loch im Bleiglasfenster abzudichten.
 

Die Inschrift an der Kirche
 
Es war zwar gerade Sommer und wir hatten etwa 25 Grad, aber "Weihnachten" dieser Inschriftentext faszinierte mich. Ich versuchte, den darunter liegenden Text, so wie es aussah - ein Datum - zu entziffern. Doch versank die Schrift zu tief in Mauerwerk und Mörtel.
 
Wie mag dieses Weihnachten ausgesehen haben? Ich sinnierte vor mich hin und hatte plötzlich eine bildliche Vorstellung von einem Weihnachtsfest in dieser Kirche vor meinen Augen. Ich sah den Pastor an der Kanzel stehen, würdevoll in seinem Priestergewand. Eine hölzerne Krippe erleuchtet vom Kerzenschein. Die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt, von Menschen in Sonntagstracht. Sie hatten sich hier versammelt, um das Weihnachtsfest zu feiern. Ein Weihnachten in Ostpreussen, wie mag es wohl wirklich ausgesehen haben?
  
Doch so schnell wie dieses Bild auftauchte, so schnell war es schon wieder vorbeigezogen. Und so stand ich vor der Kirche von Kalinowen und war recht schnell wieder im 21. Jahrhundert angekommen. Doch dieses Wort - "Weihnachten", mußte ich unbedingt noch fotografieren. Und seit dieser Zeit muß ich jedesmal wenn ich das Wort Weihnachten höre, an die Kirche von Kalinowen und ihre Inschrift denken.


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