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Landesgeschichte Ostpreußen
Das Einzugsgebiet der prussischen Stämme erstreckte sich nach Süden und Osten weit über die späteren Grenzen Ostpreussens hinaus. Im ostpreussischen Raum lebten zeitweise verschiedene Völker miteinander. So sind auf alten Begräbnisstätten, gotische, vandalische, skandinavische (wikingische) und altpreussische Funde belegt. Belegt sind auch wikingische Handelsniederlassungen. So soll sich die wikingische Handelsstadt Truso in der Nähe des heutigen Elbing (heute Elblag) befunden haben. Die in einigen Schriften benannte preussische Burgsiedlung Tuwangste (Twangste) im Bereich der Stadt Königsberg (heute Kaliningrad). Im Gebiet des ehemaligen Ostpreussen finden sich noch viele Begräbnisstätten und Wallanlagen der Altpreussen. Erst mit der Eroberung des Landes durch die Ritter des Deutschen Ordens, ab etwa 1231, tritt die Region ins Licht der Geschichte, da es aus der vorherigen Zeit fast keine schriftlichen Belege gibt. Die Ordenszeit Gegen die Missionierungsversuche und die kriegerische Landname des Deutschen Ordens, gab es von preussischer Seite erhebliche Widerstände. So sind der 1. große Preussenaufstand unter Herkus Monte im Jahre 1242 sowie der zweite Aufstand von 1260 bis 1272 zu nennen. Mit der Aufgabe des Kampfes gegen den weiter vordringenden Deutschen Orden und der Taufe des letzten Sudauerfürsten Skomand im Jahre 1283, erlosch ein selbstständiges altpreussisches Stammeswesen. Mit dem Deutschen Orden und den vom Orden herbeigerufenen Neusiedlern kam neben dem christlichen Glauben auch die deutsche Sprache ins Land. Während im Norden das Niederdeutsche vorherrschte entwickelte sich im Süden ein weiteres Sprachgemisch. Durch die masowischen Siedler (die eine slawische, polnische Sprache gesprochen haben), kam eine Sprache ins Land aus der sich der masurische Dialekt entwickelte. Dieser hielt sich in vielen Orten bis in die Neuzeit, während die altpreussische Sprache langsam ausstarb, da das Deutsche vorherrschende Landessprache wurde. Letzte Reste der altpreussischen Sprache hielten sich in abgelegenen Gemeinden im Samland bis ins 16. und 17. Jahrhundert. Die heute noch existierende litauische Sprache ist eng verwandt mit der Altpreussischen und wurde noch über die Jahrhunderte bis in die Neuzeit v.a. in nördlichen und nordöstlichen Landesteilen als Umgangssprache gebraucht. ![]() Der Deutsche Orden baute in Preussen ein gut organisiertes Staatswesen auf, welches von den überall im Land errichteten Burgen und neugegründeten Städten verwaltet wurde. Trotz der Kämpfe gegen die einheimischen Preussen, erhielten diese bereits 1249 volle Gleichberechtigung im Staat, unter der Voraussetzung sich taufen zu lassen. Auch der Name Preussen wurde von den Besiegten übernommen. Ein blühendes, gut organisiertes Staatswesen entstand. Anfang des 15. Jahrhunderts änderte sich allerdings einiges, was später zum Ende des Ordensstaates führen sollte. Durch die Personalunion der Nachbarstaaten Polen und Litauen, hatte es der Ordensstaat plötzlich mit einem mächtigen Gegner zu tun. In der Niederlage von Tannenberg und dem Thorner Frieden von 1411, verlor der Staat seine ersten Territorien. Das endgültige aus kam nach dem verlorenen Städtekrieg und Kämpfen mit Polen/Litauen. Im zweiten Thorner Frieden von 1466, verlor der Orden ausser dem preussischen Kernland, Pommerellen, das Kulmerland, das Ermland, Stuhm und weitere Gebiete. 1525 wurde der Ordensstaat vom letzten Hochmeister des Ordens aufgelöst und in ein weltliches Herzogtum umgewandelt. ![]() Hermann von Salza, Ahnherr des Preussischen Staates Herzogtum und Königreich Somit entstand das Herzogtum Preussen und es begann eine Blüte geistiger Kultur. 1544 wurde die Universität in Königsberg gegründet. 1618 kam Preussen zu Brandenburg und durch den Frieden von Oliva im Jahre 1660 wurde es von der polnischen Lehnshoheit entbunden. Da Preussen ausserhalb des Deutschen Reiches gelegen war, nutzte der brandenburgische Kurfürst Friedrich (später der Große genannt) diesen Umstand und ließ sich 1701 in Königsberg zum "König in Preussen" krönen. Preussen war nun Königreich und das spätere Ostpreussen seine eigentliche Keimzelle. Durch die Rückerwerbung Westpreussens 1772 entstand nachfolgend ein zusammenhängendes Staatsgebiet. Nach den Kriegen Napoleons, welche auch Ostpreussen verwüsteten und zur Besetzung durch die Franzosen führten, begann Ende 1812 unter dem General v. York der Widerstand gegen Napoleon. Nach Beendigung des Krieges entstand die Provinz Ostpreussen, welche später (1824) mit Westpreussen vereinigt wurde. Mit der Bismarckschen Reichsgründung 1871 kam Ostpreussen als Teil Preussens in das Deutsche Reich. Im Ersten Weltkrieg wurde Ostpreussen von den Truppen des russischen Zaren im Norden und Osten besetzt, aber bereits 1915 in der sog. Winterschlacht um Masuren wieder befreit. 39 Städte und fast 2000 Dörfer und Siedlungen waren teilweise oder vollständig zerstört. ![]() Karteninformation, Gebietsveränderungen 1918 bis 1945: A = Ostpreussisches Kernland, 1772/73 bis 1945 B = bis 1919 zu Westpreussen, 1919/20 zu Ostpreussen 1939-45 zu Westpreussen C = Westpreussen, 1919/20 - 1939 zu Polen, 1939-45 zu Deutschland D = Memelland 1772/73-1923 bei Ostpreussen, 1923-39 zu Litauen, 1939-45 zu Ostpreussen E = Suwalken 1941-45 vom Dt. Reich annektiert, Ostpreussen angegliedert F = Soldau 1772/73-1919 bei Ostpreussen, 1920-39 zu Polen, 1939-45 zu Ostpreussen G = Zichenau 1941-45 vom Dt. Reich annektiert, Ostpreussen angegliedert. - Durch die deutsche Niederlage 1918 und den Vertrag von Versailles, fiel ein grosser Teil Westpreussens an Polen und Ostpreussen wurde vom Deutschen Reich durch den sog. "Korridor" abgetrennt. Die Stadt Soldau fiel ohne Abstimmung an Polen. Ebenso das Memelland an den neuen Staat Litauen. In einigen Teilen Westpreussens wurde im Jahre 1920 eine Volksabstimmung durchgeführt. Da über 92 % der Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland stimmten, wurde dieser Teil um Marienwerder später Ostpreussen angegliedert. In den weiteren Teilen Westpreussens unterblieb eine Abstimmung. Auch in Ostpreussen wurde in den südlichen Kreisen eine Volksabstimmung durchgeführt, wo 97,5 % der Bevölkerung für den Verbleib bei Ostpreussen stimmten und nur 2,5 % für den Anschluß an Polen. Dieses Gebiet (Masuren) blieb voerst bei Ostpreussen. Das Ende Als 1939 - mit dem Angriff Hitlers auf Polen - der Zweite Weltkrieg begann, wurden die 1918-20 abgetrennten Gebiete wieder angeschlossen. Doch dies war nur von kurzer Dauer. 1941 wurden noch weitere Gebiete um Suwalken im Osten sowie um Schröttersburg (Plotzk) und Zichenau (Ciechanow) im Süden an Ostpreussen angeschlossen. Doch waren diese weder überwiegend deutsch besiedelt noch kulturell zu Ostpreussen gehörig. Ende 1944 rückte die Front immer näher an die ostpreussischen Grenzen heran und der Untergang Ostpreussens begann. Millionen Menschen (überwiegend Deutsche) waren nun vor der sowjetischen Armee auf der Flucht gen Westen, bzw. wurden später verschleppt oder vertrieben. Eine menschliche Tragödie gigantischen Ausmaßes begann. Man schätzt, das durch Krieg, Hunger und Vertreibung etwa 500.000 Ostpreussen ihr Leben verloren haben. Ein gigantischer Blutzoll für das von Hitler entfesselte Inferno. Nach dem Ende des Krieges (im Mai 1945) wurde Ostpreussen von den Siegermächten aufgeteilt und unter fremde Verwaltung gestellt. Für die Vertriebenen bedeutete dies den endgültigen Verlust Ihrer Heimat. Das Memelland kam "wieder" zu Litauen, die Region um Königsberg bis Eydtkuhnen an die Sowjetunion, die dieses Gebiet in ein gigantisches Militärlager verwandelte und der Süden - das Ermland und Masuren - zu Polen, welches dort seine eigenen Vertriebenen aus den an die Sowjetunion verlorenen Ostgebieten um Lemberg (Lvow) ansiedelte. Mit der Festigung der Nachkriegsordnung und mehreren Verträgen, die die BRD und die DDR sowie der heutige deutsche Staat abschlossen, wurde diese Nachkriegsordnung bestätigt. Ostpreußen ist seitdem Geschichte. . |
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