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Ostpreussen > Bunker und Festungen

Wenn man von militärischen Installationen in Ostpreussen spricht, wird zu allererst immer die Wolfsschanze erwähnt. Sie ist wohl das bekannteste der sogenannten "Führerhauptquartiere" des Adolf Hitler. Jährlich werden die kläglichen Reste, des von der SS im Januar 1945 komplett gesprengten Areals, von etwa 200.000 Besuchern in Augenschein genommen. Ein Besuch mag aus historischen Gründen schon angebracht sein, ist aber eher enttäuschend. Trotzdem steht ein Besuch der Wolfsschanze auf fast jedem Rundreiseprogramm. Eigentlich unverständlich, da es für den militärhistorisch Interessierten noch wesentlich spannendere Orte im Lande gibt.

Mauerwald
Bunker in Mauerwald (Ostpreussen)
Auch vom Aussichtspunkt kaum auszumachen,
die weiteren Bunker der Anlage.


Weitgehend unbekannt - aber ungleich interessanter, ist die Anlage des Oberkommandos des Heeres (OKH) in Mauerwald (Mamry) ein paar Kilometer südlich von Angerburg (Wegorzewo), am Westufer des Mauersees. Hier sind noch etwa 30 Bunker erhalten, die zwischen 1940 und 1944 gebaut wurden. Sie wurden im Januar 1945 kampflos verlassen und sind noch heute unzerstört vorhanden und komplett für den Besucher begehbar. Die Bunker sind so gut versteckt im dichten Wald kaum auszumachen, obwohl man von einem mit einem Holztreppenaufgang versehenen Hochbunker einen guten Überblick über das Areal hat.

Feste Boyen
Die Feste Boyen in Lötzen (Twierdza Boyen / Gizycko)
Eingang zur Feste Boyen (bei Lötzen)

Eine weitere imposante Anlage ist die Feste Boyen westlich der Stadt Lötzen (Gizycko). Der Bau der riesigen Festungsanlage wurde 1844 begonnen und 1857 beendet. Sie ist nach dem preussischen General von Boyen benannt. Die Festung wurde im 1. Weltkrieg von den in Ostpreussen eingefallenen russischen Truppen zwar belagert, konnte aber nicht eingenommen werden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie unverteidigt verlassen. Dies verhinderte ihre Zerstörung. Das Festungsgelände kann besichtigt werden und der Besucher kann sich in dem riesigen Areal frei bewegen. Ein ganz besonderes Erlebnis.

Truppenübungsplatz Arys
Panzer auf dem Weg nach Arys
Überraschende Begegnung (daher unscharf) am
Bahnübergang,
Panzer auf dem Weg nach Arys

Eine weitere Installation, welche auch noch heute militärischen Zwecken dient, ist der Truppenübungsplatz in Arys (Orzysz). Arys war seit etwa 1763 Garnisonsstadt des preussischen Heeres. Der Truppenübungsplatz wurde 1891 eingerichtet und im 1. Weltkrieg von der russischen Armee besetzt. Im 2. Weltkrieg wurden dort u.a. die Tiger-Panzer der Wehrmacht getestet, bevor diese in den Fronteinsatz kamen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal weiter militärisch genutzt. Die polnische Armee nutzt den Truppenübungsplatz noch heute und gelegentlich sieht man auch Züge beladen mit Panzern durch den Bahnhof Arys rollen.

Klein-Bunker
Bunker bei Scharfenrade (Ostpreussen)
Bunker an der Strasse Prostken => Scharfenrade

An den Aussengrenzen des Reiches entstanden nach den Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg zahlreiche Kleinbunker, an den landeinwärts führenden Strassen, oft nur wenige Kilometer hinter den Landesgrenzen. Sie sollten im Kriegsfalle den Verteidigern die Möglichkeit geben vorrückende Verbände aufzuhalten. Einige davon sind heute nicht mehr erhalten, aber an kleineren Seitenstrassen, können noch viele Bunker ausgemacht werden.


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